Samstag, 28. November 2009

Schon wieder ein Wochenende...

das wir nicht zu Hause verbringen.
Ich kann hier nicht sein, mir bleibt die Luft weg.
Alles hier ist so voll, mit Erinnerung und Schmerz, so viel Trauer und trotzdem ist es hier so leer. Ich fühle mich jedenfalls so.

Die Kinder sind schon drüben bei meiner Mutter, ich fahre auch gleich.
Mal sehen wie lange wir diesmal bleiben.

Mein Ohrwurm :

Alleine für zwei

Nur durch Zufall hatte ich irgendwann die letzten Tage in der Zeitung gelesen, das As Wunschschule gestern Tag der offenen Tür hat.
So konnten wir dort hingehen.
Eigentlich wollte ich F zu meiner Mutter bringen, aber ich wollte ihn gerne bei mir haben.
Das Ergebnis war dann der absolute Horror.
Am Ende ging ich mit zwei um die heulenden und schreienden Kindern, von denen eines auch regelmässig ihr Fahhrad auf den Boden schmiss, agegen trat und noch lauter schrie nach Hause.

Und das passierte vorher :
Es gab eine Führung duch die Schule, dabei ging es durch die Schulküche und durch einen Raum in dem eine Rechtschriebförderung vorgestellt wurde.
In der Küche gab es Neujahrshörnchen, die ja nach dem Backen gerollt werden, bei der Förderung gab es Aufkleber.

Auf die Aufkleber gan es den totalen Run, somit bekam ein Kind nicht die gewünschten.
Das andere Kind wollte die "Waffeln" nicht gerollt sondern glatt. Gab es nicht.

Das war eine absolut beschissene Situation.
Ich kann mich doch nicht zweiteilen.
Mir tat das so leid.
Aber ich finde es so gruselig, ich stand da und wusste nicht, was tun.
Mir geht es momentan so schlecht, ich könnte ständig weinen (ja, tu ich auch), meine Nerven sind blank, es geht gar nichts.
Ich bin ja schon froh, dass wir überhaupt zur Schule gefahren sind.

Die gefällt uns beiden übrigens sehr gut, und ich werde nächste Woche direkt anrufen und einen Termin zur Anmeldung machen.


Als wir wieder zu Hause waren, habe ich mich Bad eingeschlossen udn mir die Bilder von J angesehen, die, wo er auf dem Gras liegt.
Ich wusste ja vorher, was drauf ist, aber es war ein Riesn-Schock.
Mein armer Mann !
Das sieht so schrecklich aus.
Jetzt weiss ich auch, warum der Bestatter zuerst eine ganze Weile alleine in der Trauerhalle war.
Er hat J noch etwas zurechtgemacht, nach dem Unfall war da viel mehr Blut im Gesicht. Er sah viel schlimmer aus.
Diese Bilder sind so grausam.
Warum musste es J passieren ?

Nächste Woche schickt meine Oma mir endlich die Bilder die mein Onkel gemacht hat.
Von dem Sarg und den Blumen in der Friedhofskapelle.
Die möchte ich so gerne mit ins Album stecken.
Und ich würde den Sarg gerne noch einmal sehen, wie er dort vorne steht.

Eine Sache ist mir noch eingefallen, die ich gerne getan hätte.
Ich hätte so gerne noch einmal den geschlossenen Sarg berührt, leicht darüber gestrichen.
Das wollte ich da auch schon tun, habe mich aber nicht getraut.
Genausowenig, wie ich dabei sein wollte, als der Sarg geschlossen wurde.
Der konnte bis kurz vor der Trauerfeier auf bleiben, das wolte ich auch so, falls noch jemand nicht bei ihm war um sich zu verabschieden.

Er sah bis zum Schluss so schön aus !
Das ist alles so unwirklich, ich denke immer, gleich wache ich auf und alles ist so wie immer, als er noch da war.
Da helfen mir auch keine Fotos.

Donnerstag, 26. November 2009

Heute

Schrank abholen war okay.
Nun steht alles ausgepackt herum und ich bekomme ihn ums Verrecken nicht aufgebaut.

Auf dem Weg zweimal an der Unfallstelle vorbeigefahren.
Schlimmes Gefühl, ich kann mich nicht an die Stelle stellen, an der er gestorben ist.
Ist mitten auf der Strasse.
Die Stelle an der er auf dem Grünstreifen liegt, kann ich auch nicht herausfinden, dafür sind die Bilder nicht weit weg genug.

Ich würde mir die Bilder so gerne ansehen, aber ich kann nicht.
Ich weiss was zu sehen ist, und habe Angst das zu sehen.


Scheisse, mein Mann ist wirklich tot !

Mein Mann !!!

Kommt nie wieder nach Hause !

Endlich einen Kleiderschrank

Juhu, nachher kommt Frau T. und wir fahren endlich den Schrank ab, der mittlerweile seit ein paar Wochen wartet um abgeholt zu werden.
Dann werde ich auch endlich meine Klamotten wegräumen können. Die liegen zur Zeit in mehreren mehr oder weniger ordentlichen Haufen auf zwei Regalen verteilt, sieht nicht schön aus.
Aber in As Schrank kann ich nichts mehr legen, sie hat einfach zu viele Klamotten, und ausserdem habe ich dort schon einen Teil der Badetücher und die gesamte Bettwäsche deponiert.

Dann werden wir wieder an der Unfallstelle vorbeifahren.
Und irgendwie freue ich mich darauf, es ist so eine verbindung.
Das ist die Stelle, die Umgebung, die J als letztes gesehen hat, wenn auch vielleicht nicht mehr bewusst.
Frau T. sagte, man würde dort nichts mehr sehen, und sie wüsste nicht mehr, wo es genau war.
Ich habe mir die Bilder immer und immer wieder angesehen und ich würde den Ort wahrscheinlich im Schlaf erkennen.

Mal sehen, vielleicht weiss sie auch schon genaueres zum Holzkreuz, dass wir an der Stelle aufstellen wollen.

So viele Fragen

Nimmst Du Deine Tabletten regelmässig ?
Schläfst Du genug ?
Hast Du heute schon etwas gegessen ?
Wann hast Du mal wieder gute Laune ?
Warst Du mal wieder auf dem Friedhof ?
Magst Du nicht langsam mal das Grab bepflanzen ?
Kannst Du überhaupt noch lachen ?
Hast Du abgenommen ?
Bist Du immer noch so traurig ?
Und gibt es was Neues ?
Hast Du letzte Nacht schlecht geschlafen ?
Wie siehst Du denn aus ?
Wann kriege ich denn endlich Taschengeld ?
Wo ist die Schokolade ?
Mama, hast Du schon wieder meine Schokolade aufgegessen ?
Wann backen wir denn nun die Kekse ?
Schon wieder Brot zum Abendessen ?
Hast Du sechs Euro ?
Kann man Seegurken essen ?
Kriege ich Wasserschildkröten ?
Kriege ich dann ein Kaninchen ?
Oder zwei ?


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Ich wünschte ich würde noch einmal diese Fragen hören :
Alle vier absolute Knüller, die ich fast täglich gehört habe,
geordnet nach der Häufigkeit der Fragen :

Platz 1
Hast Du meine Hose/Hemd gewaschen ?

Platz 3
Hast Du mein Feuer gesehen ?

Platz 2
Wo ist mein Tabak ?

Platz 1
Hast Du meinen Schlüssel gesehen ?

Mittwoch, 25. November 2009

Unheimlich traurig

Seit gestern sitze ich wieder in einem Loch.
Ich bin so wahnsinnig traurig, die ganze Zeit denke ich an Js verletzten Zustand. Es war ja der ganze Körper förmlich zerschlagen.
Das passt doch so gar nicht zu ihm.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er davon gar nichts mehr gemerkt haben soll.
Und ich weiss noch nichtmal alles, mein Anwalt ist da (zum Glück) sehr sparsam mit Infos aus dem Obduktionsbericht.
Ich weiss nur soviel, das er schon bewusstlos war, als Polizisten, die zufällig gleich in der Nähe waren, innerhalb kürzester Zeit beim Auto waren.
Und als der Notarzt dort ankam, war er schon gestorben.

Aber das was ich gesehen habe, tut mir jetzt so weh.

Warum er ?

Oft habe ich das Gefühl, mir bleibt die Luft weg.
Das Atmen fällt mir so schwer.

Geld, Geld - kein Geld

Als alles noch ganz frisch war, kamen mir die Gedanken, wie es finanziell weitergehen wird.
Das ist dann in der Zeit danach immer mehr verblasst, ich hatte zum Glück meine Familie, die uns, im wahrsten Sinne, aufgefangen und um- und versorgt hat.

Aber mittlerweile ist es ja nun schon an der Zeit, dass da mal was geklärt wird.
Am Anfang war es so, das sich drei Instanzen mehr oder weniger den Ball zugeworfen haben, jede meinte, die anderen sind zuerst zuständig.

Zwischenzeitlich kamen zwar schon einige Zahlungen der Versicherung des Unfallgegners, die aber zum Teil auf Eis liegen, weil noch nicht geklärt ist, inwieweit da etwas angerechnet wird und zum anderen Teil für Möbel für die Kinderzimmer und meinen neuen Schlafplatz wegging.

Vor einigen Wochen kamen auch mal unsere Rentenbescheide, die allerdings auch nur vorläufig gelten. "Bis zur vollständigen Klärung" (!!!)
Dazu kam vor wenigen Tagen ein Brief der Rentenversicherung, dass ein Schreiben nach Spanien rausging um zu klären inwieweit von dort noch Leistungen zu erwarten sind. (Wir waren vor vielen Jahren für eine Saison dort und J. hat dort als Bäcker gearbeitet.)
Eigentlich wurde mir schon im Juni gesagt, dass es sofort weitergeleitet wird.

Aber ich will mich nicht beschweren, es geht zur Zeit auch so ganz gut, na ja muss ja auch.
Aber wirklich, den Kindern (und auch mir) fehlt es an nichts, es geht.

Aber ich finde es wirklich faszinierend, wie jeder versucht, die Zahlungen, die uns unstreitbar zustehen, hinauszuzögern.

Trotzdem freue ich mich darauf, wenn wirklich alles geklärt ist und normal läuft.

Dienstag, 24. November 2009

Ich wäre gerne schwerelos

Ich wäre gerne schwerelos.
Würde mich einfach fallen lassen und schweben, alles um mich herum ausblenden.
Dann alles von oben sehen und nichts mehr mit dem "Unten" zu tun haben.

Oder ein Vogel, ein kleiner Spatz, oben vom höchsten Ast einer Rotbuche losefliegen und mich vom Wind treiben lassen.

Ganz weit weg, alleine und ohne Gedanken und Gefühle.

Montag, 23. November 2009

Wieder da

Am Donnerstag haben wir unsere Sachen zusammengerafft und sind zu meiner Mutter.
Ich konnte es hier nicht mehr aushalten, ausserdem war meine Schwester ja auch dort.
Seit heute morgen sind wir wieder zu Hause und ich fühle mich bescheiden.
Gestern mussten wir meine Schwester auch schon wieder verabschieden, sie fuhr nach Hause zurück. Das fühlt sich so schrecklich an, in mir.
Sie fehlt mir sehr !

Gestern waren wir gemeinsam mit meiner Mutter und Schwiegermutter in der Kirche. Am Ewigkeitssonntag wurde den Verstorbenen gedacht und Fürbitte gehalten.
Das war schlimm, die ganze Zeit habe ich geheult, weil ich Angst vor dem Moment hatte, wenn sein Name genannt wird.
Zu den Namen wurde immer auch das Alter genannt und bis auf 2-3 waren alle schon reichlich älter als 41 Jahre.

Letzte Woche gab es aber auch mal wieder ein sehr schönes Erlebnis.
Ich konnte nicht schlafen und habe dann das Badezimmer geputzt und aufgeräumt.
Und im Schrank in der hintersten Ecke habe ich endlich meinen Ring gefunden.
Es ist der Ring, den habe ich bestimmt seit 7/8 Monaten gesucht, nach dem Tag ganz besonders.
Diesen Ring bekam ich von J. drei Tage nachdem unser erstes Kind, A., geboren war.
Ich weiss noch, ich war total schlecht drauf, hatte einen Wochenflussstau, und war tief in einem Loch und da kam er und gab mir diese kleine Dose die mit silber-blauem Papier umwickelt war.
Und der silberne Ring mit diesem schönen Stein haute mich um.
Es war sogar der komplette Name und das Geburtsdatum unserer Tochter eingraviert.
Das war so kitschig und so schön.

Und den Ring trage ich nun an meinem rechten Ringfinger, der Ehering ist kurze Zeit "danach" an meinen linken Ringfinger gewandert.
Es fühlte sich nicht mehr richtig an, an der rechten Hand.

Was den Stein angeht, wird es jetzt endlich mal etwas konkreter.
Unser Pfarrer wird mir einen Kontakt herstellenn zu einem Künstler, der mit uns dann diesen Stein entwerfen wird.
A. freut sich, wir haben auch schon im Internet Seiten angesehen um uns Anregungen zu holen.
Es ist echt zum Kotzen, mein Kind macht sich mit 9 Jahren Gedanken, wie der Grabstein für ihren Papa aussehen soll...