Samstag, 20. März 2010

Das Urteil

Noch mal etwas zum Urteil.

Es lautet 90 Tagessätze á € 50
Auch zahlbar in Raten zu € 150

Mein Anwalt hatte als Nebenkläger auch die Entziehung der Fahrerlaubnis vorgeschlagen.
Die Strafe ist das, was die Staatsanwältin gefordert hatte.

Für ein Fahrverbot oder eine Entziehung der Fahrerlaubnis sah der Richter keine Notwendigkeit.
Und ich muss echt sagen, ich bin froh darüber. Jetzt !

Anfangs war das anders, ich war wie vor den Kopf geschlagen.

Aber mal realistisch gesehen, würde das ja nun auch nichts mehr ändern.
Der Mann hat es ja nicht als Hobby, andere Menschen über den Haufen zu fahren und zu töten.
Und ich fand (mal ganz laienhaft) auch, das er wirklich einen absolut fahrtüchtigen Eindruck macht, auch mit über 70. Und das kann man ja nicht von allen sagen.

Als wir am 1. März auf dem Weg nach Hause waren, habe ich immer nur wieder gedacht, wie sage ich das den Kindern ???
Ich kann doch nicht hingehen und sagen, der Mann fährt weiter Auto und die beiden haben weiterhin Angst.
(A möchte ja partout nicht, dass ich in der Zukunft den Führerschein mache, sie mag auch nicht Auto fahren. Sie hat eine panische Angst.)

Da waren wir uns dann einig, dass wir es den Kindern nicht sagen.

Und das war eine sehr gute Entscheidung.
A fragte zur ganzen Verhandlung nur eins.
Sie stand vor mir, mit hoffnungsvollem Blick und fragte, ob ihr grosser Wunsch in Erfüllung gegangen ist.
(Damit meinte sie, das er nicht mehr fahren darf.)
Und ich antwortete mit ja und konnte fast sehen, was für eine Riesen-Last ihr da von den Schultern genommen wurde.

Donnerstag, 18. März 2010

Kellerfund

Anfang Juli stehen ja schon wieder die Geburtstage der Kinder an.
Da habe ich mir schon so die eine oder andere Idee überlegt.

F sollte nun endlich sein gewünschtes Fahrrad bekommen, zum 5. Geburtstag ist ja wohl spät genug.

Bei A ist es eher eine Spielkonsole, nachdem ihre vor langer Zeit gewonnene auf den Boden fiel und nun nicht mehr funktioniert.

Gestern musste ich etwas in den Keller bringen und was sahen meine Augen ?



Ich bin ein paar Mal in der Woche im Keller, aber das habe ich anscheinend immer übersehen.
Gestern habe ich mal genauer hingesehen und da fiel mir ein, dass es das erste Rad ist, welches wir A gekauft hatten.
Es wurde allerdings keine Woche benutzt, weil es schon zu klein war.
Wir hatten dann gedacht, es wäre sinnvoller, das Rad für F aufzubewahren, als es nun bei unserem Fahrradgeschäft in Kommission zu geben.

Heute mittag habe ich es F erzählt und wir haben das Rad nach oben geholt.

Das Bild spricht Bände, nicht !?



Ich hätte es auch geheim halten und ihm zum Geburtstag schenken können, aber ich habe ja gemerkt, wie sehr er sich ein Fahrrad wünscht.
Im Kindergarten haben eben viele schon eins und können fahren, er möchte es auch so gerne.
Das hätte ich keine vier Monate mehr ausgehalten. *gg*

Klar, dass das Fahrrad nun in seinem Zimmer steht...

Aber eine Idee zum Geburtstag habe ich immerhin schon wieder.

weiter

Am Dienstag hatte ich einen Termin mit S, sie kam zu mir nach Hause um zu besprechen, was jetzt anliegt.

Also, nächste Woche ist ja der Termin beim Anwalt, da wird noch über die Verhandlung gesprochen und über das Treffen mit dem Anderen.
Wie das jetzt so abläuft.

Und ich solle mir überlegen, was wir als nächstes machen.
Und mein Kopf ist wie leer gefegt.
Ich habe keine Ahnung.
Momentan denke ich eher an die nächsten Tage, nicht weiter.

Den letzten Termin bei der Psychologin ist schon über fünf Wochen her, ich muss unbedingt wieder hingehen.
Aber ich fühle mich gerade gut, ich weiss nicht, ob ich wirklich gehen soll.
Über was soll ich denn reden ?


Morgen habe ich endlich wieder einen Termin beim Neurologen, ich brauche Nachschub meiner Tabletten.

Ich werde dann mal mein Problem mit dem Atmen ansprechen.
Seit einigen Tagen fällt mir das Atmen so schwer, es fühlt sich an, als würde mein Brustkorb zusammen gepresst.
Ich möchte das abklären.
Ob es einen körperlichen Grund hat.
Oder ob die nächste Panikattacke im Anrollen ist.
So kommt es mir vor.
Es ist alles so (zu) still.
Ich fühle mich so gut, aber ich habe jetzt schon Angst, dass es wieder so heftig wird. Ich wieder falle.

Nicht zu fassen

Ich glaube ich hatte schonmal was drüber geschrieben, aber was solls.
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Einige Zeit nach dem Unfall rief mich ein ehemaliger Arbeitskollege von J an, aus der Firma in der er viele Jahre bis ca 2000 gearbeitet hat.
Der Mann sagte mir, das ich von der Firma ein "Sterbegeld" bekomme.
Dafür wird von den Mitarbeitern ein Betrag eingesammelt und von der Firma kommt ein weiterer (kleiner) Betrag dazu.

Dafür bin ich am 2. Juli mit meiner Schwester hingegangen und der Personalchef notierte sich das und kopierte die Sterbeurkunde.
Er war total unfreundlich, fragte, wie lange und ob J überhaupt dort gearbeitet hat, weil ihm "der Name nichts sagt".

Ein Bekannter von S (SkF) arbeitet dort und ist auch im Betriebsrat und erzählte, dass die Firma das Geld schon kurz nach meinem Gespräch eingesammelt hat. Tja und bisher ist noch nichts hier angekommen.

Der Betriebsrat hat das erfahren und es wurde mit der Geschäftsführung gesprochen. Es wurde auch zugesagt, das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt zu überweisen.
Das ist jetzt schon wieder zig Monate her.
Der Betriebsrat und die Mitarbeiter sind wütend.

Es wurde dort Geld gesammelt und das wird einfach nicht weitergeleitet !

Der Betrag ist jetzt nicht wahnsinnig hoch, aber es geht einfach um die Sache, das J dort wirklich sehr lange gearbeitet hat, seine Kollegen für ihn(/ mich) Geld gegeben haben, und dieses nicht ausgezahlt wird.
Und ich finde alleine deswegen muss ich dranbleiben.

Ausserdem ist es eine Firma, die hier "berüchtigt" ist, man braucht nur den Namen nennen und jeder weiss Bescheid.

Ich finde es schade, J hat dort sooo viele Jahre gearbeitet und jetzt das !

Nächste Woche wird unser Amnwalt mal einen "offiziellen" Brief schreiben.
Ich hoffe, das wird dann endlih was.

Mittwoch, 17. März 2010

Der Andere

Nun noch einmal etwas über den "Anderen".

Zum ersten Mal gesehen habe ich ihn im Gerichtssaal.
Ihm direkt ins Gesicht gesehen habe ich kaum oder gar nicht, ich kann mich nicht mehr erinnern.

Ich war fast geschockt, dieser Mann sieht so normal aus, eben wie ein Mensch.
Das war heftig, ich habe die vielen Monate nur ein vages Bild im Kopf gehabt, nachdem wir bei der Polizei ein Foto gesehen hatten.

So viele Stunden habe ich mit der Psychologin über ihn gesprochen.
Mich so oft gefragt, was er wohl für ein Mensch ist.
Ich hatte so eine wahnsinnige Angst und bin erleichtert.

Dieser Mann sah so schlecht aus, er ist in ganz schlechter Verfassung, physisch und psychisch.
Das was ich durch meine Medikamente an Gewicht zugenommen habe, hat er verloren.
Sogar seine Jacke schlotterte um seinen Körper herum.
Es war so ein trauriges Bild.
Dazu war er noch ganz alleine mit seiner Anwältin, keiner aus der Familie war bei ihm.

Als er aussagte merkte man, das diese Sache ihn sehr tief erschüttert (hat).
Er hat noch einiges Privates erzählt und ich bin so traurig, er hatte so eine harte Zeit im letzten Jahr. Kurz vor dem Unfall.

Als wir den Gerichtssaal verlassen hatten standen wir noch im Flur, ich musste mich erstmal wieder fassen.
Da kam er zu uns und hat versucht mit mir zu reden, aber ich habe das gar nicht richtig mitbekommen, auch nicht, dass er mich am Arm berührte und mit mir sprach.

Von seiner Seite aus, kam der Wunsch, ein persönliches Gespräch zu vereinbaren.
Das möchte ich auch.
Und das wird dann auch ein Punkt sein, bei unserem Termin nächste Woche.

Ich finde, es ist mir so wichtig, mit diesem Mann, durch den J starb zu sprechen.
Wie er so ist als Mensch, eben weil er durch den Unfall und Js Tod nun zu meinem/unserem Leben gehört.
Ich muss diesem Mann Platz in meinem Leben geben, sonst werde ich verrückt.
Ich möchte nicht in ein paar Jahren verbittert in meinem Leben gefangen sein und nur das Schlechte in jedem und allem sehen.
(Beim nochmal drüberlesen hört sich das wirklich schwülstig an, aber besser kann ich das nicht beschreiben. Ich denke, man kann rauslesen was ich meine.)

Gefühlsmässig geht es eigentlich mittlerweile ganz gut, diese Wut, die ich die letzten Wochen auf ihn hatte, ist weg.
Dafür ist noch viel mehr Schmerz da.
Weil ich jetzt weiss, dass der Mann sein Leben nicht mehr leben kann, wie es ein Mensch sich für das Alter wünscht. Und das tut mir so leid !
Er ist nur wenige Jahre jünger als meine Oma und mein Opa, seine Söhne sind nur wenige Jahre älter als J.

Er war auf dem Weg zu einem seiner Kinder, als der Unfall passierte...

Ich hoffe, wir beide können etwas besser/ruhiger leben, wenn wir dieses Gespräch hinter uns haben.

Vom Grab geklaut

Nun hat es uns auch einmal erwischt !

Letztes Jahr im Herbst hatte ich an einem verkaufsoffenen Sonntag, bei einem Stadtbummel mit den Kindern, ein hübsches buntes Windrad gekauft.

Dies stand mit anderem schönem "Kleinkram" auf Js Grab.

Jetzt nicht mehr !
Es war so tief in die Erde gesteckt, das es nicht von alleine wegwehen konnte.

Die Kinder, wir, sind total enttäuscht.

Dienstag, 16. März 2010

Verhandlung - so war es

Nun sind ja schon gute zwei Wochen seit der Verhandlung vergangen.
Und seitdem hatte ich viel Zeit, darüber nachzudenken.
Gefühlsmässig könnte ich auch den Text aus diesem Posting 1:1 übernehmen.

Deswegen schreibe ich mal den Tag der Verhandlung, wie ich ich ihn empfunden habe.

Gegen neun Uhr hat uns S (vom SkF) abgeholt, meine Schwester (A) kam mit.
Als wir am Gericht ankamen, war unser Anwalt noch nicht da.
Wir sind ein bisschen rumgelaufen und habe schonmal den Saal gesucht.
Meine Schwester ging um die Ecke und schob mich gleich wieder zurück, denn dort sass der Andere auf einer Bank.
Wir haben uns dann erstmal um die Ecke vor ein Büro gesetzt und gewartet.

Als dann unser Anwalt kam setzten wir uns an einen Tisch vor dem Saal und redeten noch ein wenig.
Dann wurde unser Fall aufgerufen.

Als ich in den Saal reinging, wäre ich fast hintenüber gekippt, fast der komplette Zuschauerraum war voll !
Locker an die 30 Leute sassen dort.
Schüler oder Studenten, einige mit Schreibblöcken auf den Knien.

Der Richter war wirklich extrem jung, er sah aus, wie aus dem Publikum gegriffen.

Die Verhandlung an sich ging recht zügig vonstatten.

Am Ende war das Urteil das, was die Staatsanwältin gefordert hatte.
90 Tagessätze á 50 Euro

Weinen

Eigentlich war es die letzten zwei Wochen recht einfach, nicht zu weinen.
Den Tag der Verhandlung und einen danach noch, aber dann wurde ich von Tag zu Tag ruhiger.
Aber gestern und heute laufen die Tränen fast ununterbrochen.

Und ich fand es so schön.

Warum weiss ich auch nicht, es kommt einfach so, vielleicht die Hormone oder so.

Ich mag nicht mehr, es nervt.

Ausserdem vermisse ich meine "kleine" Schwester. Erst seit zwei Tagen weg, aber so weit...

Ankommen zu Hause

Durch meinen Bruder "mussten" wir eine Woche verlängern.
Wir sind da geblieben und meine Schwester auch.
Sonst hätte meine Mutter alleine da gesessen.

Wie gewohnt, sind wir alle Montagmorgen bei meiner Mutter aus dem Haus und am Nachmittag alle wieder hier gelandet.
Es wurde aber auch Zeit, es mutete schon an wie eine WG. In jedem Raum ausser dem Badezimmer schlief jemand.
Dazu kam ein Freund meines Bruders, der für einige Tage einen Unterschlupf brauchte.
Also sieben Mann plus Hund (und Kaninchen).

Das Ankommen hier zu Hause war aber diesmal noch heftiger, wie ein Fall ins Bodenlose.
Ich konnte den ganzen Tag nur weinen, ich fühlte mich wieder so leer, alleine, traurig.

Heute war die S wieder hier, wir haben einen Termin beim Anwalt für die nächste Woche gemacht und noch etwas über die Rente gesprochen.
Da gab es eine ganz böse Überraschung, nun muss ich erstmal wieder nur abwarten.

Sonst gibt es nicht soviel Neues.
Ausser meiner neuen Errungenschaft, einer neuen Waschmaschine.

Wir haben wieder saubere Wäsche !
Die Alte konnte ich nicht mehr sehen, wir hatten sie damals ausgesucht, weil wir es cool fanden eine komplett silberfarbene Maschine im Bad stehen zu haben.
Und jetzt musste ich jedesmal wenn ich sie gesehen habe, schwer schlucken.
Dazu war sie mit gut zehn Jahren ja auch nicht mehr die jüngste.
Geschleudert hat sie nicht mehr richtig und Flecken gingen nicht aus der Wäsche.

War das ein Anblick, als ich die erste Maschine gewaschen hatte, die Sachen waren weich, rochen gut, waren ordentlich geschleudert und... SAUBER !!
Meine Güte, wir müssen ja in der letzten zeit verdreckt herumgelaufen sein.

das Kaufen war wahnsinnig unspektakulär.
Wir sind rein isn Geschäft, ich sagte mein Limit, die nette Dame zeigte mir zwei Maschinen, die fand ich doof und legte etwas drauf, suchte mir eine andere aus.

Dann bezhalt, sie wollte sie schon am selben Tag liefern lassen, passte nicht, also am nächsten Morgen.
Gut 5 Minuten später waren wir schon wieder draussen.

Das ist doch auch mal was !

Hochmut...

...kommt vor dem Fall !

Tja, man sollte sich einfach nicht zu früh freuen.
Und sich nicht auf andere verlassen.

Man hat sich gerade aufgerappelt, versucht das Leben in die richtigen Bahnen zu lenken, und dann...zack...weg.