Morgens ging es noch, ich habe
Finn zum Kindergarten gebracht und bin dann beim
Zeitungsladen rein und habe die zurückgelegten Zeitungen abgeholt.
Da habe ich meinen Bruder auf dem Weg zur Schule getroffen und wir haben dort mitten in der Stadt eine Zeitung auseinander genommen, weil wir auf die Anzeige gespannt waren.
Das war vielleicht ein Akt, bis wir uns auf einen Spruch einigen konnten, so gut wie alle meine Vorschläge wurden abgelehnt.
Den Sonnenuntergang hat
Ania gezeichnet.
Das war ein Krampf, wir haben wochenlang zu Hause gesessen und gemalt, was da alles bei rausgekommen ist...
Natürlich waren
Anias Zeichnungen schöner !
Bei der Druckerei hat die Frau extra einen der Drucker gefragt, ob es möglich ist, dieses Bild in die Anzeige zu übernehmen.
Und
Ania ist so stolz ! (Ich auch !)

(Ich habe heute die "Genehmigung" der Kinder bekommen ihre Namen auszuschreiben.)
Dann beim Blumenladen das
Gesteck abgeholt.
Das hatte Ania auch alleine bestellt, die Form als Mond und die Blumen hat sie mit der Floristin ausgesucht. Ich durfte nur bezahlen. :-) (Ich finde es so schön, dass Ania sich so einbringt.)
Da musste ich noch eine Weile warten, weil auf der Schleife ein Name falsch war, statt
Ania hatten sie
Amia aufgedruckt.
Während des Wartens kamen Rettungswagen und Notarztwagen am Laden vorbeigefahren.
Das war so gruselig.
Immer wieder denke ich daran, dass für Jürgen auch Menschen unterwegs waren, um ihn zu retten, konnten ihn aber nur noch bergen.
Auf dem Weg zum Friedhof habe ich dann doch angefangen zu weinen.
An Jürgens Grab angekommen hatte ich gerade meine Tasche abgestellt, da kamen Jürgens Tante und Onkel, die extra hergekommen sind.
Da sind dann doch wieder viele Tränen geflossen.
Die beiden sind dann weiter. (Jürgens Vater ist ihr Bruder, der liegt ja nahe bei und ihre Eltern auch.)
Ich habe dann eine Weile ruhig
rumgewerkelt, das mag ich ganz gerne, ganz alleine und in Ruhe keiner der
quatscht.
Nach dem Mittag habe ich bei meiner Mutter angerufen, damit sie zu uns kommt
-ich
sass nur zufällig am PC, weil
Finn nicht in den Kindergarten wollte, sonst bin ich um die Zeit ja unterwegs- und da habe ich auf die Uhr geschaut und es war 13:59.
Das war so schlimm.
Da wurde dann noch eine Runde geheult.
Am Nachmittag bin ich dann mit beiden Kindern und meiner Mutter noch einmal hingegangen, die Kinder wollten das
Gesteck sehen und den Legestrauss hinbringen.
Ich habe mich so gefreut, dass
Ania mit gegangen ist.
Auch wenn sie nicht die 1 aus Kerzen gestellt hat.
Das habe ich mit meiner Mutter gemacht.
In einer Schale haben wir nun die letzten Erika(s, -
ken oder wies
heisst) gegen
Margeriten getauscht, ich konnte die nicht mehr sehen.

Als wir uns auf den Rückweg gemacht haben, kam doch noch Jürgens Mutter.
Das war so traurig !
Es tat so weh, sie zu sehen, ihren Schmerz zu sehen.
Sie musste ihr erstes Kind nun auf dem Friedhof besuchen.
Ich frage mich echt, was haben wir alle
bloss gemacht, damit uns so etwas passiert.
[Meine
Schwiegermutter hat es nicht leicht, ich
weiss nicht, wer sich so etwas ausdenkt.
2003 - ihre
Schwiegermutter2005 - ihr Mann
2009 - ihr Sohn
2009 - ihr Hund
2009 - ihre Schwester]
So war der
Tag eigentlich ruhig, ich hatte in den Tagen davor so schlimme Angst, es war schlimmer, als der Tag selber.
Nur am Abend hat es mich erwischt.
Ich hatte eine so heftige Panikattacke wie schon lange nicht mehr, ich konnte mich erst nach gut zwei Stunden zum Schlafen hinlegen.
********************************
Tja,nun ist also dieses "magische" Jahr um und trotzdem ist noch alles so wie vorher.
Ich
weiss auch nicht, was ich erwartet habe.
Und
gleichzeitig habe ich das
Gefühl, dass mir alle zu verstehen geben (wollen), dass es jetzt langsam mal gut ist.
Schliesslich ist es schon ein
Jahr her.
Manchmal fühle ich mich aufdringlich und denke, ich sollte es mal ruhen lassen.
Hat man ein Recht, nach einem ganzen Jahr noch so traurig zu sein !?