Dienstag, 5. Oktober 2010

Erinnerungen

Seit einiger Zeit kommen mir immer wieder Kleinigkeiten in den Sinn, aus der Zeit zwischen dem Unfall, der Trauerfeier und der Beerdigung.

Immer wieder blitzen einzelne Dinge hervor.
Einfach so.

Nachdem vor kurzem der Nachbar meiner Mutter alleine in seiner Wohnung starb und erst wenige Tage später gefunden wurde, geht mir vor allem wieder durch den Kopf, warum müssen Menschen so ganz alleine sterben.
Ich finde das noch immer so schlimm, in diesem Moment nicht bei Jürgen gewesen zu sein.
Ich komme damit einfach nicht klar.
Das ist für mich so ein schlimmer Gedanke.

Gestern waren es dann einzelne Momente der Trauerfeier und Beerdigung.

Ich überlege so oft, ob ich nicht doch hätte dabei sein sollen, als der Sarg zugemacht wurde.
Eigentlich bin ich froh, denn das war mir klar, ich möchte nicht sehen, wie Jürgen zugedeckt und der Deckel über ihm geschlossen wird.
Aber ich denke mir, ich bin es ihm vielleicht schuldig gewesen. Ich weiss auch nicht.

Ich ärgere mich so, dass ich den Sarg nicht berührt habe, als wir in die Kapelle kamen und dre geschlossene Sarg dort stand, so wie ich es wollte.

Dieser ganz schlimme Moment als die Sargträger aufstanden, den Sarg fassten und ihn durch die Tür trugen. Das war der Moment der heftig weh tat.
Der Anfang vom Ende.
Das Wissen wenn Jürgen durch diese Tür ging, würde es nicht mehr lange dauern und er wäre für immer weg.

Als wir beim Grab ankamen und die Sargträger den Sarg über das geöffnete Grab stellten, ihre weissen Handschuhe auszogen und ins Grab warfen.

Der Moment, als unser Pfarrer zu Ende gesprochen hatte und der Sarg ein Stück ins Grab heruntergefahren wurde.
Auch das tat so unheimlich weh.

Und während der ganzen Zeit hatte ich Finn auf dem Arm der immer wieder weinte : Wir wollen Papa wieder haben.

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Ist wahrscheinlich wieder eine Phase, aber es so schwer, das auszuhalten.
Diese Erinnerungen tun halt einfach weh.

Am Sonntag habe ich unseren Pfarrer gebeten, mir die Rede, die er bei der Trauerfeier hielt, zu kopieren.
Einen Teil weiss ich ja von dem Blatt, welches seine Frau für die Trauerfeier entworfen hatte.
Aber der Rest ist weg.

Ich glaube, es wäre gut, es einmal zu lesen und es dann mit in den Ordner zu heften.
Es bei mir zu haben.

1 Kommentar:

  1. Hallo,
    mach dir doch keine Vorwürfe. Du bist ihm nichts schuldig geblieben, wieso auch...du hast alles so gemacht wie du es in diesem Moment für gut und richtig gefunden hast, bzw. wie es dir möglich war. Ich kannte Jürgen natürlich nicht aber so wie du ihn beschriebst, denkst du nicht er hätte das genau so gewollt? Daß du das machst was dir gut tut? Beerdigungen und alles was dazu gehört sind nicht für die Toten, die sind längst anderswo, sondern für die Lebenden, die die zurückbleiben und mit diesem großen Loch leben müssen.
    Unser Pfarrer hat damals, als mein papa starb, ein Bild gebraucht: Es wurde ein großes Loch in die Familie gerissen und alles was sie tun können ist drumrum zu laufen und immer wieder eine kleine Schippe Erde reinzutun. Es wird lange dauern bis das Loch gefüllt ist und oft wird man reinfallen in dieses Loch...aber es wird mit der Zeit immer kleiner, aber es wird nie ganz verschwinden..eine kleine Delle wird immer bleiben.

    Aber die Trauerrede hat meine mama sich auch vom Pfarrer geben lassen und ja, ich denke daß es gut ist sie nochmal lesen zu können. Daß man an der Beerdigung selbst nicht viel davon mitbekommt ist ja mehr als verständlich.

    Ich wünsch dir alles Liebe und Menschen die dir ein Seil zuwerfen wenn du mal wieder ins Loch gefallen bist.

    LG Sandra

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