Die letzten zwei Wochen waren wirklich stressig. Ich komme abends kaum mal vor 2h ins Bett und kann dann ewig nicht einschlafen. Heute morgen bin ich um kurz vor fünf ins Bett und um sieben wieder aufgestanden. Die Kinder hatten beide heute einen Termin bei der Psychologin, und als ich vorne sass und wartete musste ich mich echt zusammenreissen, um nicht einzuschlafen. Die Tage zu überstehen fällt mir immer schwerer, ich fühle mich so schlapp und mein Körper ist so schwer, alles kostet so viel Kraft.
Gestern habe ich sogar meinen Termin beim Anwalt verpasst. Ich war mir so sicher, dass der um zehn Uhr ist, aber er war um neun.^^ So war meine Frau T. vom SkF alleine dort und rief mich hinterher an um mir zu erzählen, was da gesprochen wurde. An das Telefonat konnte ich mich eine halbe Stunde später schon nicht mehr erinnern. *seufz*
Und es war nicht viel, zur Zeit geht gar nichts, ich hänge mal wieder in der Warteschleife.
Immer wieder gibt es Situationen, in denen mir J. besonders fehlt. Letztes Wochenende wollte ich Kekse backen, und das ist voll in die Hose gegangen. Der Teig für das Spritzgebäck wurde nicht so richtg weich, weil die Butter zu kalt war und dann ist mir der Spritzbeutel geplatzt und ich habe den ganzen Scheiss in den Müll geschmissen. Ich hatte aber Hunger auf Kekse und habe dann noch einmal Kokosmakronen versucht. Die sind dann aber zum Spritzgebäck mutiert. Alles war voll mit Eiermatsch, widerlich. J. fehlt, Eiermatsch musste doch er immer wegmachen, weil es mich echt ekelt.
Ausserdem war er Bäcker, nicht ich, meine gebackenen Sachen sind regelmässig verhunzt. Nichtmal das Brot aus der Backmischng habe ich hingekriegt. Ich weiss auch nicht, das war so hin, ich glaube ich habe den Teig zu lange gehen lassen. Wenn J. irgendwo um mich herum ist, hat er bestimmt regelmässig etwas zum Lachen, wenn ich mir einen abbreche beim Backen. Finde ich eine schöne Vorstellung.
Da habe ich mich schon aufs Ausschlafen am Wochenende gefreut und nun klingelt mein Wecker nachher um kurz nach sieben. A. hat ein Nachtreffen vom Sommerlager, auf das sie sich schon seit Monaten freut. Ich glaube, wenn sie gefahren ist, kletter ich nochmal 'ne Runde ins Bett.
Lange kann ich eh nicht liegenbleiben. Später müssen wir zu meiner Mutter, meine Schwester kommt endlich mal wieder her. Leider nur für eine Woche, aber ich bin ja glücklich, dass sie überhaupt herkommt.
Wir wollten J. etwas von uns mitgeben, das hatte ich im letzten Jahr im BZ gelesen und fand es eine sehr schöne Idee.
Zuerst war ich auf der Suche nach einer schönen Schachtel, die, die ich zu Hause hatte, waren entweder zu hässlich oder zu klein. Meine Mutter war dann mit mir unterwegs, bis wir eine gefunden hatten.
Die Sachen, die reinkamen, haben A. und ich am Samstag zu Hause zusammen gesammelt.
Dies ist dabei herausgekommen/bzw. in die Schachtel hineingekommen (Sonntag) :
*ein Taufgeschenk, von F.s Taufe (da hatten wir für jeden von uns eines aufbewahrt)
*Familienfoto von uns im Sommer 2007, im Zoo Gelsenkirchen
*Fotos von den Taufen der Kinder
*von jedem von uns eine Haarsträhne
*auf einem DIN A3 Blatt unsere Handabdrücke
*3 Fotos und ein 25Peseten Stück aus seinen Urlauben mit Freunden (vor meiner Zeit)
*1 Diddl-Karte, mit persönlichem Text, bekam er von mir nach einer Krise
*von Ania gemalte und ausgeschnittene Schmetterlinge und Hund
*Trauerbildchen von seinem Vater, Oma und einem engen Freund
*Schutzengelbildchen
*Päckchen Tabak (hatten wir dem Tag vormittags noch gekauft)
*l kleiner Mondstein und 1 ungeschliffener Rosenquarz
*1 Münze von einem Mittelaltermarkt und kleine schimmernde Muscheln, die wir gesammelt haben, als wir für 3 Monate in Spanien lebten
*Wimpel vom BVB (den gab mein bruder dazu, weil J. grosser Fan ist)
*kleine Seife (aus unserem 1. München-Urlaub)
*2 kleine Gläser Marmelade (Aprikose+Kirsche) von Dallmayr (gekauft bei unserem letzten Urlaub in München)
*Pin vom letzten Geocaching Megaevent in Bremen (dort waren wir zwei Wochen vor seinem Tod)
*2 Pfennige
Die Sachen eingepackt hat dann A. , alleine, wir durften nur zusehen. Das war ihr sehr wichtig. Dabei sassen wir alle in der Küche meiner Mutter um den Küchentisch herum und haben alle mehr oder weniger geweint, weil ich zu jeder Sache noch etwas erzählen konnte. Die Schachtel haben wir dann versucht mit einem schönen Schleifenband zuzubinden. Das war vielleicht ein Akt. Die Schachtel ist oval und wir haben über eine halbe Stunde versucht, sie zu verknoten. Jeder hatte einen anderen Vorschlag, das war schon wieder ganz lustig.
Diese Schachtel habe ich dann am Dienstag morgens hingebracht und auf die Decke unter seine Hände gelegt, dazu das Blatt mit unseren Handabdrücken.
Da hatte ich noch einmal extra bei unserem Bestatter Bescheid gesagt, dass die Schachtel mit in den Sarg soll.
Es ist schön zu wissen, dass er nun Sachen von uns bei sich hat. Und immer wenn ich die kurze Strähne in meinem Nacken fühle oder bei den Kindern sehe, muss ich lächeln, dass verbindet uns immer mit ihm.
Jetzt ist es anscheinend soweit, ich habe jetzt den Zustand erreicht, der mir kurz nach dem Unfall schon "vorausgesagt" wurde. Ich fühle mich einsam. Nicht alleine, denn es sind immer Menschen da, die mir zuhören und für mich da sind. Mehr oder weniger.
Aber mir fehlt dieser Mensch an meiner Seite, der Partner. Mit dem ich den Alltag lebe und abends vor dem Fernseher herumlümmle. Mit dem ich rede, streite, den ich lieben kann, der mich liebt.
Auch das körperliche fehlt, also diese Kleinigkeiten die bisher in meinem Leben, unserer Familie und Ehe immer so selbstverständlich waren/sind. Mit den Kindern ist es wieder wie vorher. Nach einer ganz schlimmen Zeit ganz am Anfang, wo da gar nichts möglich war.
Aber, Mann, das ist doch nicht das selbe !
Nein, ich möchte J. nicht ersetzen. Ich möchte nun auch nicht auf Biegen und Brechen einen neuen Partner. Ich glaube, das wäre für mich noch nicht der richtige Zeitpunkt.
Aber das Gefühl zieht mich runter. Es fühlt sich nicht richtig an.
Als ich heute mit dem Fahrrad unterwegs war, kam mir wieder ein Gedanke, den ich zum Glück nun einige Wochen nicht mehr hatte. Dafür haut er mir jedesnal die Beine weg.
Ich habe ein wahnsinnig schlechtes Gewissen, ich mache mir so heftige Vorwürfe.
Hätte ich J. nur fünf Minuten eher Bescheid gesagt, wäre es vielleicht nicht so gekommen und er würde noch leben.
Jeder, dem ich das erzähle, sagt mir, wenn es nicht da zu dieser Zeit an dieser Stelle passiert wäre, dann eben früher oder später an einer anderen Stelle.
Aber das glaube ich nicht. Fünf Minuten eher, und er wäre doch schon so gut wie runter von der Strasse gewesen.
Das ist so schlimm, nur weil ich ihm nicht rechtzeitig Bescheid gesagt habe, hat er sich noch schnell Brote gemacht und ist später als sonst losgefahren. Fünf Minuten nur.......
Gestern habe ich einen Riesenschreck bekommen. Das Gleiche ist mir am Samstag schon passiert.
Ich war mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause, und konnte schon in unsere Strasse sehen, ist eine Sackgasse. Vor unserem Haus ist ein Parkstreifen und dort stehen sonst nur dunkle Autos, von den Nachbarn eben.
Und da stand an beiden Tagen ein dunkelrotes Auto.
Als ich dass dann gesehen habe, war ich plötzlich ganz aufgeregt und hatte richtig ein Kribbeln im Bauch.
Mein Gedanke war : Nun ist er doch endlich nach Hause gekommen ! Das war so ein tolles Gefühl, ich habe mich so gefreut !
Ich war so geschockt, als ich hier am Haus ankam und gesehen habe, dass es ein fremdes Auto ist. Ich war so traurig, weil mir wieder einfiel, dass das unmöglich ist.
Aber ich habe das auch manchmal unterwegs, wenn ich ein rotes Auto sehe, besonders, wenn es ein Opel ist, ein Astra. Davon scheint es ja noch viele zu geben, obwohl die ja schon recht alt sind.
J. hat sich so gefreut, das Auto zu bekommen, zum Zeitpunkt des Unfalls hatten wir es gerade erst 8 Monate. Und ich fand es toll, dass es Airbags hatte, weil ich dachte, die schützen uns bei einem Unfall...
Immer wenn ich mit ihm alleine mit dem Auto unterwegs war, habe ich gedacht, hoffentlich haben wir jetzt keinen Unfall, sonst sind die Kinder ganz alleine. Wenn schon, dann alle vier.
Nie hätte ich gedacht, dass es ihn zuerst trifft !
Gestern war ich endlich mal wieder auf dem Friedhof. Ich weiss schon gar nicht mehr wann ich vorher das letzte Mal dort war. Ich habe schon immer ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht hingehen mag. Neu bepflanzt hatte meine Schwiegermutter schon und auch immer geharkt und so.
Ich weiss auch nicht, es ist total komisch. Wenn ich dort bin, ist es immer so normal, als würde ich zum Beispiel in irgendeinem Garten das Beet mache. Vom Kopf her weiss ich aber auch dass dort nur sein Körper ist, aber wenn ich dann soweit fertig bin, mag ich nie gehen. Ihn dort nicht alleine lassen. Ich weiss auch nicht. Irgendwie denke ich ja schon, dass er um mich herum ist. Aber richtig wissen tu ich es nicht.
Ständig warte ich auf ein Zeichen, das er mir gibt, damit ich weiss, dass er bei mir ist. Aber ich spüre und horche immer in mich hinein, aber es ist nichts da !!!
Ich spüre nichts !
Und das macht mich so traurig, entweder er gibt mir kein Zeichen, oder ich merke es einfach nicht !
Am Donnerstag bin ich mal wieder beim Anwalt, mal schauen, ob es was Neues gibt. Und ein paar Fragen loswerden, die mich zur Zeit bedrücken. Dann werden wir auch noch mal über die Sache mit dem Grabstein sprechen. A. sitzt schon auf Kohlen, sie hat total viele Ideen, wie sie den Stein gerne haben möchte. Sie bekommt ja mit, wieviel Gerenne ich habe und sie dabei nicht helfen kann. Dabei ja schon, mal sehen, ob wir uns dann auf einen Stein einigen können.
Seit wir hier in der Wohnung sind und die Kinder ihre eigenen Zimmer haben, muss ich mich abends zu F. ins Bett legen und warten bis er eingeschlafen ist. Bei ihm ist es meist abends, dass er traurig wird und viel weint, weil er den Papa vermisst. Das ist so hart für mich, weil es auch bei mir abends ganz besonders schlimm wird, wenn es mir tagsüber schon schlecht ging. Und ausserdem klebt er dann oft an mir, da kann ich nichtmal alleine aufs Klo. Gut, da muss ich durch, er scheint es zu brauchen.
Heute geht es auch mir sehr schlecht, ich bin den ganzen Tag verheult herumgelaufen, ich möchte gerne wissen, was die Menschen um mich herum wohl gedacht haben, die mich nicht kennen.
Ich finde es schwer, mit dem Kleinen umzugehen, wo ich doch selber so verzweifelt bin. Bei A. ist es immer noch so, dass sie es einfach nicht an sich heranlässt und auch kaum darüber redet/reden mag. Das ist für mich so eigenartig, auf F. muss ich besonders eingehen und mit ihm viel reden. A. möchte eigentlich nur ihre Ruhe haben und nicht über das Ganze sprechen.
Es ist so wahnsinnig schlimm, wennn ich daran denke, was für einen tollen Papa die beiden haben und nicht mit ihm aufwachsen dürfen. Ich habe mich so gefreut und war sehr stolz, dass genau dieser Mann mit mir zusammen leben und mit mir Kinder haben wollte. Ich bin immer noch stolz, aber auch so leer.
Einige Zeit später (ca 2-3 Wochen danach) war ich mit meiner Schwester bei der Polizei. Der Beamte nahm sich viel Zeit, zeigte und erklärte Teile der Akte und sah mit uns Bilder am PC an. (Ich hätte es nicht gedacht, aber diese Bilder waren noch schlimmer, als die in der Zeitung und im Internet. Auf zwei Fotos konnte man sehen, dass J. noch drinsass, zum Glück sah man nur ein Stück Hemd. Aber es war doch fürchterlich, das zu sehen. Auf anderen Bildern war J. zu sehen, wie er auf dem Seitenstreifen im Gras lag, nachdem er aus dem Auto geschnitten wurde. Diese drei Bilder habe ich mir direkt ausdrucken lassen. Und auf einem Bild sahen wir auch den anderen Fahrer, wie er in seinem Auto auf dem Beifahrersitz sass und eine Infusion bekam.)
Dort wurde uns auch die vorläufige Skizze der Unfallstrecke gezeigt. Das war schon schlimm, aber noch viel schlimmer war es, vor kurzem die endgültige Zeichnung und Rekonstruktion zu sehen. Ich kann ja jetzt nicht so ins Detail gehen, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie das gerade so passieren konnte. Wir sind diese Strecke in der Vergangenheit so oft gefahren. Und J. eben jeden Tag zur Arbeit.
Und dann noch dieser Gedanke, wenn J. einfach "falsch" reagiert hätte und nach links auf die Gegenfahrspur gelenkt hätte, hätte er vielleicht überlebt. Obwohl ich es bei den Bildern kaum glauben kann. Und das ist für mich besser zu verstehen, als wenn er wirklich eine Chance gehabt hätte und sie nicht genutzt hätte, weil er richtig fahren wollte.
Die Bilder vom Auto waren wirklich grauenhaft. Aus vielen Perspektiven wurden Fotos gemacht. In der Zeitung war ja nur eins von schräg vorne. Und einige andere, aber alle nur von aussen.
Als das Auto dann freigegeben war, konnten wir die persönlichen Sachen ausräumen. Da bin ich nicht mit hingefahren, ich glaube das hätte ich nicht gepackt. Hingefahren sind meine Schwester, mein Bruder und mein Onkel, gefahren wurden sie von unserem Pfarrer Herrn W. Dabei haben sie auch Fotos gemacht. Die waren dann aber noch wieder schlimmer als die bei der Polizei.
Aufegnommen wurden welche aus dem Innenraum, aus der Sicht hinter dem Fahrersitz. So kann man genau sehen, was direkt vor J. war. Und alles so kaputt !
Das zu sehen, ist so schrecklich und ich bin so froh, dass J. es wohl mit Sicherheit nicht mehr mitbekommen hat.
Dieses Bild wurde aus dem Kofferraum, mittig aufgenommen :
(Draufklicken, dann wird es grösser und ist leichter zu erkennen.)
Als Letztes das, was meinen Bruder (14) noch immer verfolgt und mir noch immer eiskalte Schauer über den Rücken jagt :
Im Fussraum der Fahrerseite war es ja sehr zusammengeschoben und die Feuerwehr musste einige Teile auseinanderschneiden um J. aus dem Auto ziehen zu können. Mein Bruder wollte da schauen, ob noch etwas da ist, was er herausräumen will. Und da sah er noch sah J.s Arbeitsschuhe darinstecken, die so festgeklemmt waren, dass sie nicht herausgezogen werden konnten.
Nun ist es bald 2 Uhr am Morgen und ich sitze noch immer hier. Mein Wecker wird um 9 Uhr klingeln und ich werde aufstehen müssen.
Vorhin habe ich zufällig Bilder aus dem Sommer '08 auf dem PC gefunden. Das war so schlimm, ich war nicht drauf gefasst ihn dort mit seinen, unseren Kindern in die Kamera lachen zu sehen.
Dann habe ich lange gegoogelt, ob es noch irgendwo Artikel über den 10. Juni gibt. Und ich habe tatsächlich noch einige gefunden und gleich als Lesezeichen abgelegt.
Gestern habe ich endlich mal eine neue Patrone für den Drucker bestellt. Bisher konnte ich noch keine Seite ausdrucken, aber das wollte ich für unsere Erinnerungskiste tun.
Da habe ich mir nochmal die Bilder aus einem Zeitungsartikel angesehen. Vor kurzem bin ich ja mit meiner lieben Frau T. auf dem Weg zum Möbel kaufen genau diese Strecke gefahren und ich habe mir die Stelle angesehen. Auf den Bildern konnte ich jetzt sehen, dass ich wirklich an der Stelle stand, wo unser Auto mitten auf der Strasse stand. Ich bin da an der Strasse ein gutes Stück gegangen und konnte sogar noch die Markierungen der Polizei sehen. Das ist alles noch ganz deutlich zu sehen. Als ich da so aufgelöst stand und geweint habe, fuhr ein Mann mit einem Motorroller an mir vorbei. Und ein paar Sekunden später kam er zurück und fragte, ob er mir helfen könne. Ich hatte schon Angst, es wäre jemand, der bei dem Unfall dabei war. Das war so schön in diesem Moment, wie ein Zeichen, dass dieser wildfremde Mann kam und nach mir sah.
Die Post die kam, ist wirklich der Hammer. Ich habe echt keinen Nerv mehr. Aber ich lebe ja noch, auf mir kann man ja rumhacken.
Hier ist auch sonst gerade das Chaos ausgebrochen. Der Kleine ist total aggressiv und schlägt. Heute hat es A. zweimal heftig erwischt. Gut, dass er nun auch zur Psychologin geht.
Mir gehts heute auch nicht gut, mag den ganzen Tag nur weinen und wäre am liebsten im Bett geblieben. (Ist doch manchmal von Vorteil, das ich im Wohnzimmer schlafe, da kann ich kaum liegen bleiben.)
Schlafen kann ich aber auch nicht, maximal 4 Stunden in der Nacht. Da helfen mir die Tabletten nicht, aber wenigstens kann ich nach der kurzen Nacht aufstehen und den Tag über das Nötige machen.
Ich komme mir vor als wäre ich in den letzten Wochen um 30 Jahre gealtert. In den Spiegel gucke ich auch nicht mehr gerne. Mein Gesicht besteht nur noch aus Augenringen, macht sich wirklich gut mit meiner sehr blassen Haut.
Über den anderen Fahrer geht mir soviel durch den Kopf. Er ist ja nicht nur irgendein Autofahrer, er ist der andere Fahrer, der, der den Unfall verursacht hat.
Am Anfang war da überhaupt kein Gedanke an den anderen, ich wusste ja, dass er überlebt hat und J. nicht. Ausserdem war ja auch nicht klar, wer nun den Unfall verursacht hat. In der Zeit, in der es nicht klar war, hatte ich wirklich schlimme Gedanken, für die ich mich heute fast schäme. Ich hatte sogar daran gedacht, dass J. es mit Absicht gemacht hat. (Obwohl ich weiss, dass das für ihn nicht in Frage kommt, so ein Mensch ist er nicht.)
Dann war ja klar, wie es genau passiert ist. Und da fing es auch in meinem Kopf erst so richtig an zu arbeiten.
Dieser Mann hat den Unfall verursacht, mein Mann wurde dabei sehr schwer verletzt und getötet. Der Mann weiss durch Briefe von den Anwälten, dass ich übrig bin und unsere beiden Kinder. Es standen Namen und Alter in diesen Briefen. Also weiss der Mann, dass er eine junge Familie kaputt gemacht hat. J. war gerade erst 41 geworden und der andere ist 71. Mensch, mein Mann hatte doch noch soviel vor sich. Mit seinem Leben, seinen Kindern und mit mir.
Und trotzdem hat er sich nie gemeldet, erkundigt oder über seinen Anwalt etwas ausrichten lassen !?
Das kann doch einfach nicht sein, dass er sich nicht für uns interessiert. So fühlt es sich für mich an, wenn er nichts tut, um in Kontakt mit uns zu kommen.
Das macht mich so wahnsinnig wütend, ich fühle mich irgendwie wie der letzte Dreck, nicht ernst genommen.
Für mich ist das alles so ungerecht. Er hat diesen Fehler gemacht und wir müssen ihn nun ausbaden. Ich habe das ewige Gerenne wegen irgendeinem Scheiss, der ganze Papierkram, immer will jemand etwas von mir. An mir liegt es, unsere Familie wieder auf die Beine zu bekommen, Und dann gehen wir jetzt alle drei zur Psychologin, weil es ohne nicht geht. Das ist so grausig, dass beide Kinder so darunter leiden müssen, ich fühle mich selber so traurig und nun muss ich auch noch sehen, dass es den Kindern schnell wieder gut geht.
Ich bin so froh, dass ich gute Hilfe habe, auch wenn es mir so schwer fällt, darum zu bitten und die dann auch anzunehmen.
Der Vormittag war sehr entspannt, F. musste zum Sprachtest, der für alle vierjährigen Pflicht ist. Den ersten Test im Kindergarten hatte er leider nicht bestanden, den zweiten schon.
Wir waren noch einkaufen und es war lustig, wir waren alle locker. Weil wir uns auf den Donnerstag gefreut haben, wegen dem Feiertag (Fronleichnam), und J. frei gehabt hätte.
Er war vor dem Essen noch am PC und hat einige Lieder auf youtube angesehen. Für ein Lied hatte er mich extra gerufen, weil er mir seinen neuesten "Favoriten" zeigen wollte (dieses Lied lief dann auch bei der Trauerfeier) :
Zum Mittag gab es Spinat und Spiegeleier. Als J. fahren musste, wurde ich traurig, weil ich es gerne gehabt hätte, wenn er zu Hause bleibt.
J. fragte ob wir noch winken wollen. Wir standen dann am Kinderzimmerfenster und winkten. J. beugte sich über den Beifahrersitz und winkte hoch und hatte ein Lachen im Gesicht. (Dieses Bild verfolgt mich heute noch.)
Das war gegen kurz nach halb zwei. Ich habe dann F. zum Kindergarten gefahren und dann zu Hause am PC gesessen.
Um 14.20 bekam ich einen Anruf von J.s Disponentin, die Firma hätte bei ihr angerufen, weil er nicht zur Arbeit gekommen ist. Von da an haben wir regelmässig telefoniert und beide immer wieder auf J.s Handy angerufen.
Zwischenzeitlich habe ich auch bei der Polizei angerufen und gefragt, ob er mir sagen kann, ob J. vielleicht einen Unfall hatte. Der Polizist hat mich einfach nur abgewimmelt.
Ich hatte dann richtige Panik und bin zu meiner Mutter, damit sie mit mir F. abholt und zu uns nach Hause kommt. Ich hatte Angst alleine zu Hause zu sein.
Als wir zu dritt nach Hause kamen lief vor dem Haus ein Mann hin und her. Der schaute uns so komisch an, sagte aber nichts. (Zu der Zeit wusste meine Mutter schon, dass die Polizei bei uns war. Mein Bruder wurde angesprochen als er bei uns klingelte und wir noch nicht da waren.)
Dann waren wir in der Wohnung, A. kam nach Hause und dann klingelte es. Es war kurz nach 17 Uhr.
Das war der absolute Horror !!
Meine Mutter fragte, wer da ist, sah mir in die Augen und sagte nur : Die Polizei
Da war es dann vorbei, ich habe geweint und geschrien, bin völlig ausgerastet. Da kamen dann drei Beamte und der Seelsorger (der Mann von draussen).
Ich fragte und schrie nur immer : Nicht J., J. ist nicht tot, oder ?
Der Beamte macht ein sehr ernstes Gesicht, nickte und sagte : Doch
Der Seelsorger war schrecklich hing mir die ganze Zeit an den Hacken und meinte immer nur : Das Leben geht weiter
Da tobte nur noch das Chaos, ich brüllte, weinte und schrie, F. hing an mir wie eine kleine Klette und weinte ununterbrochen.
A. sass die ganze Zeit im Schlafzimmer auf dem Bett und spielte Nintendo. Da sass ein Polizist und A. fragte mich was los ist. Da musste ich meiner "kleinen" Tochter sagen, dass ihr Papa nicht mehr nach Hause kommt. Das war so schlimm.
Ich war so unruhig, konnte nicht sitzenbleiben.
Habe im Online- Presseportal der Polizei nachgesehen und bekam die Anzeige, dass es stimmt.
Zum Glück wurde dann unser Pfarrer angerufen und er kam sofort das war sehr beruhigend. Irgendwann kam dann noch ein Arzt aus dem Krankenhaus, der versuchte, mich zu überreden, dass er mir Valium spritzt. "Nur eine halbe Ampulle" Aber das wollte ich nicht, ich wollte ganz da sein. Auch für die Kinder.
Dann habe ich beschlossen, dass wir alle mit zu meiner Mutter fahren, wir nicht in der Wohnung bleiben können.
Und ich hatte einen unheimlichen Drang J. zu sehen.
Um 20 Uhr konnten wir dann losfahren.
Unser lieber Herr W. fuhr uns dann dorthin und war auch bei mir als ich J. gesehen habe.
Als wir an der Trauerhalle ankamen war dort noch eine andere Trauergesellschaft und wir mussten ein wenig warten. Dann bin ich reingegangen, Herr W. hielt mich die ganze Zeit am Arm.
Der Bestatter ging vorher rein und richtete alles sehr schön her, so schön, wie es ging. In den Raum bin ich zuerst alleine reingegangen.
Als ich um die Ecke ging, sah ich zuerst seine weissen Socken und die blaue Arbeitshose. Ich dachte es zieht mir den Boden unter den Füssen weg. Er sah aus, als wenn er schläft, so hilflos und verletzt. Als würde er noch leben.
Deswegen habe ich mich erst auch nicht getraut ihn anzufassen, ich wollte ihn nicht stören, aufwecken.
Ich war dann lange Zeit bei ihm habe ihn gestreichelt, geküsst und meinen Kopf auf seine Brust gelegt und an ihm gerochen, er roch noch nach seinem Duschgel.
Verletzungen konnte ich (zu der Zeit noch) nicht viele sehen, er hatte nur etwas Blut an der Nase, die war gebrochen. Und am Kinn hatte er eine kleine Platzwunde.
Er hatte die Augen zu und ich habe ganz vorsichtig sein rechtes Augenlid hochgeschoben und in sein Auge gesehen. Das war fürchterlich, diese gebrochenen Augen, die schon in eine entfernte Welt blickten, zu der ich keinen Zugang hatte.
Herr W. kam dann dazu und fragte, ob er J. segnen darf, das wollte ich gerne. Ich zündete dann noch eine Kerze an und blieb noch alleine bei ihm.
Dann habe ich ein Foto gemacht, damit ich dieses Bild habe, falls sich das jemand noch einmal ansehen möchte, die Kinder zum Beispiel. (Das war ein gute Entscheidung. F. ging später mit zum Papa hat ihn angesehen und auch angefasst, A. hat ihn nicht mehr angesehen. Dafür aber alle Bilder die ich gemacht habe.)
Er sah so schön aus, so wie ich ihn liebte und liebe, wie ich ihn wollte.
Und nun war er tot !
Gestorben ist er wohl um 13.58 Uhr, auf der Sterbeurkunde steht 14.00 Uhr. Für mich bleibt es bei 13.58 Uhr.
Herr W. fuhr uns dann zu meiner Mutter nach Hause. Dort gingen wir dann alle recht zügig ins Bett.
Eigentlich hatte ich damit gerechnet nun mit einer erwachsenen Person viel weniger zu waschen. Aber das Gegenteil ist der Fall, dabei habe ich an meiner Routine nichts geändert. Es sind höchstens mal die Maschinen nicht ganz voll, aber trotzdem komme ich auf mindestens 4 Maschinen in der Woche.
Das Gleiche gilt auch für die Spülmaschine. Als wir die vor gut 10 Jahren kauften, entschieden wir uns für ein 45cm Modell, und das habe ich in den letzten Jahren in denen wir zu viert war immer verflucht. Und jetzt läuft sie meistens täglich, ausser am Wochenende.
Irgendwie habe ich manchmal das Gefühl, er fehlt gar nicht richtig. Ich merke es so im Alltag kaum, es läuft alles wie immer. (Eigentlich stimmt das gar nicht, ich habe mich nur einfach im neuen Leben "eingerichtet" so gut es geht.)
Nur in meinem Kopf sieht es anders aus. In mir ist so ein komisches Gefühl. Machmal habe ich richtig ein Kribbeln im Bauch. Dann sitze ich abends hier am Pc und warte, wann es endlich 20 nach elf ist.
Manchmal habe ich das Gefühl ich werde verrückt. Dann stehe ich irgendwo in der Wohnung und denke ich hätte sein Schlüsselklimpern gehört. Und freue mich, dass er endlich nach Hause kommt.
Ich finde es so ungerecht, dass es gerade uns passiert ist. Bei uns lief es richtig gut, wir haben so gut zusammengepasst. Wir konnten gut miteinander lachen, streiten, diskutieren, uns ohne Worte verstehen und auch sonst.......
Immer wenn ich irgendwo auf ihn gewartet habe und er dann auf mich zu kam, hatte ich Schmetterlinge im Bauch. Der Mann war meiner, ich durfte ihn mit nach Hause nehmen. Und das nach gut 11 (zum Teil schwere) Jahre !
In mir drinnen steckt soviel Schmerz ! Überall um mich herumm sind so viele glückliche Menschen, und ich kann mich kaum mit ihnen freuen. Es ist wie ein Stachel, es fängt immer wieder an richtig weh zu tun.
Und ich weiss nicht wohin damit. Wann kommt es endlich in meinem Kopf an, dass er wirklich nicht mehr nach Hause kommt.
Seit wir vor ungefähr acht Wochen den Kleiderschrank und das grosse Bett aus dem Schlafzimmer wegen dem Sperrmüll abgebaut hatten, lagen sämtliche Kleidungsstücke in A.s Zimmer. Zumindest die Hälfte. Meine Sachen liegen seitdem in F.s Zimmer. Aber in A.s Zimmer lag ein Riesenstapel, der mir eigentlich nur noch mit einiger Verrenkung Zugang zum Fenster und A.s Schrank zuliess.
Nun habe ich gestern J.s sämtliche Kleidung in seinen alten Koffer geräumt. Das war vielleicht ein besch**** Gefühl, seine Klamotten in den Händen zu halten, anzufassen und daran zu riechen, diese vertrauten Stück wegzuräumen. Und dabei immer wieder zu wissen, dass er die Teile nie wieder anziehen wird.
Es passte fast alles in den Koffer und der steht nun zwar noch im Kinderzimmer, aber neben dem Schrank. In den Keller mag ich sie nicht stellen, da sind sie so weit weg.
Im Flur hängen noch immer seine Jacken an den Haken, an die er sie gehängt hatte. Das fällt jedem sofort auf, wenn er die Wohnung betritt, und die reagieren mehr oder weniger betroffen. Mir tut das sehr gut, so sehe ich sie oft am Tag und es gibt mir etwas tröstliches, sie zu sehen und auch ab und an mit der Hand darüber zu streichen. Leider riecht seine kleidung nicht mehr nach ihm.
Aber sein Kopfkissen riecht noch nach ihm, ich hoffe, es hält sich noch lange. Auch Ania tut es gut, wenn solche Kleinigkeiten im Alltag auftauchen.
Vorhin beim Telefonieren mit meiner Mutter, fragte sie, wann wir denn am Sonntag gehen sollen. Gehen ? Sonntag ?
Na, wegen Allerheiligen, ich habe schon etwas für J.s Grab gekauft und wollte es rechtzeitig hinbringen.
Oha, das habe ich wohl bisher erfolgreich verdrängt.
Allerheiligen. Der Tag im Jahr an dem im Vorfeld wirklich jeder auf den Friedhof latscht, den man sonst das ganze Jahr über nicht sieht. Um die Gräber vernünftig herzurichten und mit Unmengen hässlichen Gestecken und unzähligen Kerzen, Fackeln und ähnlichem zu verschandeln.
Und der Tag, an dem ab Einbruch der Dämmerung Menschenmassen über den Friedhof pilgern werden, um die schönen beleuchteten Gräber anzusehen. Im Schlepptau ihre, mit Taschenlampen zwischen den Gräbern tobenden, Kinder.
Nee, ich mag nicht. Ich gehe zur Zeit ja eh nicht gerne auf den Friedhof, nur wenn mir wirklich danach ist, und das ist meist ganz spontan.
Zum Glück gibt es meine Schwiegermutter, die sich ganz toll kümmert und mir einiges abnimmt, was ich nicht gerne mache.
So, jetzt ist Wochenende, mal wieder werden wir zu Hause sein. Ich mag nicht rausgehen, vielleicht fahren wir mal zu meiner Mutter, dort können die Kinder wenigstens auf den Spielplatz gehen.
Heute habe ich endlich mal wieder eine Formularsache erledigt. Wurde auch langsam Zeit, in einer Woche läuft die Frist ab. Aber trotzdem liegt hier noch ein Stapel Papiere die noch erledigt werden will. Das sollte auch gemacht werden. Aber ich lege die immer nur in den Karton, wo sie erstmal nicht mehr zu sehen sind und da liegen sie dann, bis es anfängt ernst zu werden.
Zum Anwalt sollte ich auch wieder gehen und mal nach dem Stand fragen, momentan warten wir ja nur noch auf den Termin der Verhandlung. Davor habe ich eine richtige Panik, ich stelle mir manchmal vor, dass es vielleicht gar keine Verhandlung geben wird. Das wäre der pure Horror.
Nächste Woche kommt meine Sozialarbeiterin wieder her um mit mir einige Sachen zu besprechen und den Papierkram durchzusehen. Ich bin wirklich froh, dass ich sie als Hilfe habe. Wenn es bei mir nicht geht, schleift sie mich einfach mit.
Seit am Montag die Dosis meines Medikaments wieder erhöht wurde, geht es mir nicht so gut. Ich habe tagsüber starke Kopfschmerzen, bin sehr müde und ungeduldig. Ich hoffe, es geht bald wieder besser, so halte ich es nicht aus.
A. musste heute ihren Termin bei der Psychologin absagen, sie ist bei einem Schulfreund zum Geburtstag eingeladen. Dafür geht F. nächste Woche zum ersten Mal dorthin. Er ist in den letzte Wochen sehr aggressiv geworden und schlägt. Die Psychologin möchte ihn sich einmal anschauen. Dann sind wir also alle drei in psychologischer Behandlung...
Letztes Wochenende waren wir bei Schwiegermutter zum Geburtstag. Eigentlich bin ich sehr gerne dort, aber zur Zeit tut es echt weh.
Mein Schwager und meine Schwägerin bekommen jeweils mit ihren Partnern in den nächsten Wochen Nachwuchs und das kann ich kaum ertragen. Mein Schwager und seine Freundin sind dort die ganze Zeit am Küssen und kuscheln, das macht mich so traurig. Vor elf Jahren war es bei uns genauso. Nachwuchs war unterwegs und die Hochzeit schon geplant. Wir waren so glücklich.
Aber ich habe auch das Gefühl alle eiern um mich herum, keiner spricht mal über diese ganze Sache. Wenn ich dann etwas sage, schauen nur alle betreten zur Seite und wechseln schnell das Thema. Und es fragt mich keiner ernsthaft, wie es mir geht. Scheinbar interessiert es niemandem wie es mir geht, dabei müssen die es doch sehen. Ich verstehe das nicht, interessiert es wirklich keinen, wie es uns geht !?
In den letzten Tagen bin ich sehr traurig. Beim kleinsten Anlass fange ich an zu weinen. Ich würde mich gerne in irgendeine Ecke verkriechen. Ich schaue schon gar nicht mehr in den Spiegel, das was mich dort erwartet, sieht grausig aus. Aber was will ich auch erwarten, bei Schlafproblemen und ständigem Geheul.
Soweit läuft hier zwar alles, nach aussen geht es mir auch ganz gut, nur in mir drinnen tobt es. Ich habe soviel Schmerz in mir und weiss nicht wohin damit.
Am Montag war ich bei meinem Neurologen und der hat mir die Dosis meines Antidpressivums hochgesetzt. Auf die Wirkung warte ich nun erstmal.
Montag war ich auch wieder bei meiner Psychologin und sie meinte, sie macht sich grosse Sorgen um mich. Die Grosse geht ja auch wöchentlich zu ihr und was sie angeht, ist läuft es ganz gut. Der Kleine ist in den letzten Wochen sehr aggressiv geworden, er schlägt bei jedem kleinen Streit. Nächste Woche wird auch er zu der Psychologin gehen. Sie möchte ihn einmal treffen um herauszufinden, was er braucht.
Ich finde das einfach so wahnsinnig ungerecht, ich sitze hier und alles bleibt an mir hängen, was ich alles tun muss, dieser ständige Papierkram. Zum Glück habe ich Menschen, die mir dabei helfen, aber darum zu bitten fällt mir total schwer.
Das Begreifen, das dieser Mensch nie wieder nach Hause kommt tut weh... Ich sitze hier zu Hause am PC und warte eigentlich jede Sekunde auf das Klimpern seiner Schlüssel, schaue immer wieder zur Tür. Und dann kommt mir in den Sinn, dass er nie wieder durch diese Tür kommen wird. Den Schmerz auszuhalten ist verdammt schwer. Und gleichzeitig fällt mir wieder ein, dass unser gemeinsames Leben vorbei ist, nun muss ich alleine weitergehen. Und irgendwie versuchen, dass wir irgendwann wieder leben wie normale Menschen, eben mit einer solchen Vergangenheit.
Aber alles in mir sträubt sich, ich will das nicht, ich will einfach nur, dass die Zeit zurückgedreht wird und alles wieder gut ist.
Ich wünschte er wäre jetzt hier und würde mich in den Arm nehmen und mir sagen dass alles wieder gut wird.